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Traditionelle Auktionshäuser

Einlieferung

Den gesamten Posten aller einzelnen Teile, die zu einer Auktion versteigert werden soll, nennt man Einlieferung und denjenigen der die Ware dem Auktionshaus zur Versteigerung überlässt nennt man entsprechend Einlieferer.

In der Regel wird zwischen dem Verkäufer (Einlieferer) und dem Auktionshaus eine Vereinbarung getroffen, eine Sammlung oder einen Teil einer Sammlung zu verkaufen. Das Zustandekommen einer solchen Vereinbarung kann sehr verschieden erfolgen:

  • Es handelt sich um einen Nachlass und die Erben versuchen die Sammlung zu verkaufen

  • Ein Sammler will sich von einem Teil seiner Sammlung lösen

  • Ein Händler versucht einen besonderen Posten optimal zu verkaufen.

  • Das Auktionshaus selber wirbt einen Verkäufer

Je nach Auktionssparte, Auktionshaus und Wert der eingelieferten Ware, kann bei manchen Einlieferungen dem Einlieferer ein Vorschuss auf den zu erwartenden Verkauf gewährt werden. Solche Vorschüsse, alle anfallenden Zinsen, Prüfspesen und andere Kosten, werden genauestens dokumentiert, und bei der späteren Abrechnung nach der Auktion mit dem beim Verkauf erzielten Ertrag aufgerechnet.

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Material sichten und prüfen

Das eingelieferte Material wird von Fachexperten im Auktionshaus grob sortiert, detailliert gesichtet und geprüft.

Material beschreiben

Teilweise wird bei besonders wertvollen Losen von einem externen Sachverständigen ein Prüfzertifikat bzw. eine Expertise angefertigt, die bei der Besichtigung der Ware beigelegt wird. Im Fall der Philatelie z.B., existieren auch sehr umfangreiche Kataloge, in denen die eingelieferte Ware beschrieben und teilweise auch bewertet wird. Beispiele solcher Kataloge sind der deutsche Michel-, der schweizer Zumstein-, oder der amerikanische Scott-Katalog. Ähnliche Kataloge gibt es auch für andere Auktionssparten. Die endgültige Bewertung der Ware erfolgt jedoch immer durch einen Experten bzw. Prüfer individuell.

Die Experten und Prüfer untersuchen das Material nach allen Auffälligkeiten und beschreiben nicht nur den Ursprung, sondern auch den Erhaltungszustand nach fest vorgegebenen Richtlinien. Oft werden auch die Prüfzertifikate als Grundlage für die Beschreibung der Ware im Auktionskatalog verwendet.

Aufgrund der Beschreibung und der Gegenüberstellung von vergleichbarer Ware und deren erzielten Preisen und Schätzungen geben die Experten einen mindestens zu erzielenden Schätzpreis ab. Dieser gilt als Grundlage für den Preis im Auktionskatalog, den man oft auch als Ausruf oder auch Katalogpreis bezeichnet.

Bei Kunstauktionen wird oft nur eine Auktion für Teilgebiete abgehalten, so dass sich eine Einlieferung oft auf mehrere unterschiedliche Auktionen verteilt.

Katalogproduktion

Der Auktionskatalog gilt als die Visitenkarte eines Auktionshauses. Um diesen zu erstellen ist sehr viel Aufwand notwendig. Es wird nicht nur die gesamte Ware so genau wie möglich beschrieben, sondern oft müssen die einzelnen Objekte auch im Katalog abgebildet werden. Auch hierzu bedienen sich renommierte Auktionshäuser Experten. In der Philatelie z.B. ist die Farbtreue zwischen dem Original und der Abbildung oft eine große Herausforderung. Je nach Lichtverhältnissen und Materialbeschaffenheit können völlig falsche Farben im Auktionskatalog erscheinen. Eine weitere Herausforderung der Katalogproduktion ist manchmal auch die große Anzahl der Auktionslose und Abbildungen in einem Katalog. Je nach Größe und Art der Auktion, müssen bis zu 12.000 Lose in einem einzigen Katalog dargestellt werden. Bei Kunstauktionen ist die Anzahl der Lose jedoch oft sehr viel kleiner, wobei es aber auch hier Ausnahmen gibt, wie die legendäre "TEK SING" Auktion im Stuttgarter Auktionshaus Nagel im November 2000 zeigte.

Zirkulare / Katalogbestellungen

Manche Auktionshäuser betreiben einen sehr großen Aufwand für die Erstellung von Auktionskatalogen. Diese dienen nicht selten auch als Grundlage für die Dokumentation von historischen Gegenständen. Da an solchen, oft einmaligen historischen Dokumentationen, viele Sammler und Kunstinteressierte Interesse haben, diese jedoch nicht unbedingt an der Auktion teilnehmen wollen oder können, haben sich einige der führenden Auktionshäuser dazu entschlossen, für ihre Auktionskataloge eine Gebühr zu verlangen.

Schriftliche Gebote

Viele traditionelle Auktionshäuser bieten die Möglichkeit, schriftlich an einer Auktion teilzunehmen, ohne dass man persönlich bei der Auktion erscheint. Dazu übergibt man dem Auktionshaus eine Aufstellung aller Lose für die man bieten möchte und dem höchsten möglichen Preis, den man bereit ist dafür zu bezahlen. Das Auktionshaus übernimmt dann die Funktion eines Treuhänders oder Bietagenten. Das bedeutet, dass immer im Sinn für den Bieter versucht wird den möglichst günstigsten Preis zu erzielen. Jedoch kann ein schriftliches Gebot von anderen Bietern im Auktionssaal oder aber auch von anderen schriftlichen Bietern überboten werden. Ob das der Fall ist, erfährt man im Gegensatz zu den Online-Auktionen jedoch erst, wenn das Los im Auktionssaal aufgerufen wird. Bis dahin darf einzig und allein nur das Auktionshaus Kenntnis von den schriftlichen Geboten haben und muss darüber absolute Geheimhaltung bewahren.

Bereits vor der Auktion, aber auch während der Auktion, die sich teilweise über mehrere Tage hinziehen kann, können schriftlich Gebote abgegeben werden.

Schriftliche Gebote können zwei besondere Merkmale enthalten:

  • Gebote mit einem Maximal-Limit:

Wenn ein Bieter für mehrere Lose schriftlich bietet, kann er davon ausgehen, dass er nicht für jedes Los der Höchstbietende ist und für sein Maximalgebot auch den Zuschlag erhält. Daher hat er bei vielen Auktionshäusern die Möglichkeit mitzuteilen, wie viel er maximal in einer Auktion ausgeben möchte. Gleichzeitig kann er jedoch für ein Vielfaches dieses Limits über mehrere Lose hinweg bieten. Es ist dann die Aufgabe des Auktionshauses, darüber zu wachen, dass das maximale Limit des Bieters nicht, oder zu einem vorher vereinbarten Maximum überschritten wird. Es werden ihm nur so viele Lose zugeschlagen, bis das Budget des Bieters aufgebraucht ist, oder alle seine Gebote abgearbeitet sind.

  • Oder-Gebote:

Manchmal werden mehrere Lose angeboten, die eigentlich gleich sind. Ein Sammler möchte oft aber nur eines dieser Lose haben. Er kann dann bei vielen Auktionshäusern auch schriftlich für alle diese Lose bieten und dem Auktionshaus mitteilen, dass er aber nur eines der Lose haben möchte. Sobald dem Bieter eines der Lose zugeschlagen wird, ist das Auktionshaus verpflichtet, alle weiteren Gebote dieser "Oder-Serie" zu verwerfen.

Besichtigung des Materials

Vor und während jeder Auktion steht die Ware, bis kurz vor dem Aufruf im Auktionssaal, zur Besichtigung zur Verfügung. Jeder, der die Ware besichtigen möchte, muss sich bei vielen Auktionshäusern vor der Besichtigung legitimieren. Dazu erhält der Interessent oft schon bereits vor der Auktion eine Bieter-Nr. Nur mit einer gültigen Bieter-Nr. wird ihm die Ware zur Besichtigung ausgehändigt. Gleichzeitig wird für jedes besichtigte Los die Bieter-Nr. dokumentiert, um im Fall einer Beschädigung oder sogar eines Diebstahls den Verursacher leichter ausfindig zu machen.

Oft übernehmen auch Kommissionäre diese Aufgabe, die von einem Interessenten beauftragt werden, die Ware zu prüfen und ggf. dann auch für sie später die Ware zu ersteigern. Dies macht insofern Sinn, als dass solche Kommissionäre selber auch Experten sind und den Wert der Ware für den Bieter prüfen und anhand ihrer Einschätzung eine Gebotsempfehlung an den Interessierten abgeben.

Bieter

Saal-Bieter

Werden die Bieter genannt, die persönlich an einer Auktion teilnehmen. Oft werden diese aber dennoch von einem Kommissionär oder Beauftragten während der Auktion vertreten, um während der Auktion, bzw. nach der Ersteigerung ihre Anonymität zu wahren und damit den künftigen Aufenthaltsort der ersteigerten Ware vor der Öffentlichkeit zu verschleiern. Dem Auktionshaus selber ist dabei jedoch der tatsächliche Käufer i.d.R. immer bekannt.

Telefon-Bieter

Viele Auktionshäuser, vor allem in der Kunstbranche, bieten die Möglichkeit an, dass der Kaufinteressent die Auktion oder den Teil der Auktion, der für ihn relevant ist, am Telefon mitverfolgen und telefonisch im Auktionssaal mitbieten kann. Dies ist vor allem für Bieter interessant, die ansonsten weit anreisen müssten. Zudem bleibt die Anonymität des Käufers vor der Öffentlichkeit bewahrt, was vor allem bei besonders Wertvollen Losen sehr sinnvoll ist. Diesen Service bieten aber nicht alle Auktionshäuser an, da diese Form der Auktionsbeteiligung für das Auktionshaus einen sehr grossen Aufwand bedeutet, bei dem extra geschultes Personal zur Verfügung gestellt werden muss, das zudem nicht selten auch über fundierte Fremdsprachenkenntnisse verfügen muss. Außerdem beeinträchtigt diese Form der Auktionsbeteiligung in der Regel auch den sonst flüssigen und schnellen Auktionsablauf.

Auktionsführung

Hier gibt es heute verschiedene Systeme. In vielen Auktionshäusern heute noch üblich ist das ausgedruckte Auktionsbuch, in dem neben den Losdaten, wie Ausruf bzw. Schätzpreis, dem Einlieferer, Anmerkungen auch schriftliche Gebote enthalten sind. Ebenso werden in dieses Auktionsbuch auch die Zuschläge mit der jeweiligen Bieter-Nr. eingetragen. Ein Problem dieser Auktionsführungen stellen die "Oder-Gebote" und die Maximal-Limits eines Bieters für die Auktion dar. Um dies zu überwachen, ist nicht selten ein erheblicher Überwachungsaufwand notwendig. Ein Lösung dieser Problematik ist der vernetzte Auktionstisch, bei dem diese Überwachung automatisch stattfindet. Zudem können beim vernetzten Auktionstisch auch noch Gebote bis kurz vor dem Aufruf schriftlich abgegeben werden. Ebenso werden die Zuschläge sofort erfasst und können bereits während die Auktion läuft schon im Hintergrund zur Auslieferung unmittelbar vorbereitet werden, was für den Käufer nach Abschluss des letzten Zuschlages eine zügige Abwicklung der Bezahlung und Aushändigung der Ware bedeutet. Grosse Auktionshäuser bieten zudem auch während die Gebote ausgerufen werden eine Anzeige mit der Umrechnung auf Fremdwährungen, so dass gerade auch ausländische Bieter sich mit dem Wert des Gebotes sehr viel leichter tun.

 

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